2. Semester

Das zweite Kurshalbjahr thematisiert literarische und pragmatische Texte des 18. Jahrhunderts, die literarischen Strömungen und die Epochenbegriffe Aufklärung, Empfindsamkeit sowie Sturm und Drang. In diesem Semester werden fachliche Inhalte erörtert, literarische Texte interpretiert und miteinander verglichen. [1]

Der thematische Schwerpunkt wird für jedes Schuljahr gesondert festgelegt. (siehe Abitur)

Inhalte/Themen aus meinem Deutschunterricht

Einführung in die Epoche der Aufklärung

Das 2. Semesterthema wurde mit einem Kupferstich mit dem Titel „Aufklärung“ von Daniel

Chodowiecki eingeführt. Dieser wurde im Unterricht analysiert und Ideen für den Begriff Aufklärung wurden gesammelt. Anschließend sollten wir dazu eine Bildinterpretation verfassen.

Kant: Was ist Aufklärung?

Um ein besseres Bild über die Epoche der Aufklärung zu bekommen, lasen wir einen Text des Philosophen Immanuel Kant. Dieser erklärte die Epoche der Aufklärung als „Ausgang des Menschen aus seiner selbst verschuldeten Unmündigkeit.“ In diesem Text wurden alle Schlüsselbegriffe markiert und Worte geklärt, die nicht verstanden wurden.

Textvergleich

Anschließend verglichen wir zwei Texte miteinander. Der eine war von Lessing und der andere von Goethe. In einer Tabelle sollten wir die Unterschiede und die Gemeinsamkeiten festhalten. Dieser Textvergleich sollte die verschiedenen Strömungen (Sturm und Drang, Empfindsamkeit) verdeutlichen, welche zur selben Zeit wie die Aufklärung stattfanden.

books-2664021_1920 KopieEmpfindsamkeit + Sturm und Drang + Aufklärung

Die Empfindsamkeit sowie der Sturm und Drang waren literarische Strömungen, welche parallel zur Aufklärung verliefen. Die Empfindsamkeit bezog sich mehr auf das Innenleben, also die Gefühle und Empfindungen des Menschen. Bei der Strömung des Sturm und Drang lehnten sich junge Dichter im Alter von 20-30 Jahren gegen die gesellschaftlichen Beschränkungen, den Untertanengeist und die Ständeschranken auf. Das taten sie, indem sie sprachliche und formale Grenzen “überschritten“, die Bedürfnisse und Gefühle des Menschen in den Vordergrund stellten und zudem den Menschen als Individuum betrachteten. Diese drei Strömungen gehören zusammen, doch in jeder Bewegung gab es andere Schwerpunkte. Der Textvergleich sollte dazu dienen, Unterschiede und Gemeinsamkeiten zwischen den Bewegungen herauszufinden und zu verstehen.

Sturm und Drang

Unser Schwerpunkt lag auf der Strömung des Sturm und Drang. Da das eine literarische Strömung war, welche die Gesellschaft kritisierte und diese auch zum Nachdenken bringen sollte, lasen wir das Drama „Die Kindermörderin“ von Heinrich Leopold Wagner. Dies ist ein typisches Sturm und Drang-Drama und um herauszufinden, woran man das erkennt, lasen und bearbeiteten wir verschiedene Aufgaben dazu. Einige der Aufgaben waren: die Beziehungen zwischen den Figuren bildlich darzustellen, das Drama zu untersuchen und festzustellen, ob es dem typischen Dramenaufbau der damaligen Zeit entspricht und ein Standbild in einer Gruppe zu einer ausgesuchten Szene zu inszenieren. Außerdem musste jeder, um den Überblick über die Inhalte der verschiedenen Akte nicht zu verlieren, ein Lesetagebuch führen.

Charakterisierung

Darüber hinaus verfassten wir eine Charakterisierung über eine der Hauptfiguren aus dem Drama, um das Schreiben einer Figurenanalyse zu üben. Schüler und Schülerinnen konnten diese dann freiwillig vor der Klasse vorlesen und Feedback bekommen.

Domänenspezifisches Wissen (dW)

Das domänenspezifisches Wissen umfasst den historischen Hintergrund, den biographischen Hintergrund des Autors und andere Texte der Zeit. Um mehr dW für die Klausur zu erwerben und dann auch anwenden zu können, haben wir den „Goethe“-Film, welcher zugleich das Leben von Goethe zeigt und eine Verfilmung von seinem Briefroman „Die Leiden des jungen Werther“ ist, geschaut. Dadurch bekam man einen anderen Einblick in diese Zeit.

Szenenanalyse

All die im Unterricht erarbeiteten Dinge, wie z.B. die Figurenkonstellation, der typische Dramenaufbau zur Zeit der Aufklärung oder die Vertiefung der einzelnen Charaktereigenschaften der Figuren, waren am Ende alle relevant für die Aufgabe in der Klausur, welche eine Analyse einer Szene aus dem Drama unter Anwendung von dW war. Um uns darauf vorzubereiten, schrieben wir zwei Szenenanalysen im Unterricht und lasen Texte, die sich mit der Strafe, die für Kindsmord im 18. Jahrhundert galt, beschäftigten. Somit waren wir am Ende gut auf die Klausur vorbereitet.

„Die Leiden des jungen Werther“ von Goethe

Nach der Klausur beschäftigten wir uns eingehender mit dem bekanntesten Roman des Sturm und Drang, und zwar mit dem Briefoman „Die Leiden des jungen Werther“ von Johann Wolfgang Goethe. Da wir im Unterricht den Film schon geschaut hatten, hatten wir einen guten Überblick über den Inhalt des Briefromans. Wir bekamen einzelne Ausschnitte, welche wir auf stilistische Mittel und  bestimmte Textstellen untersuchen sollten, welche für den Sturm und Drang sprechen. Da die Empfindungen des Menschen und seine Verbindung zur Natur im Sturm und Drang eine große Rolle spielten, schauten wir, wie Goethe dies sprachlich in seinem Roman darstellte. Uns fiel auf, dass die Natur sehr poetisch dargestellt wurde, die Landschaft sehr ausführlich und bildlich beschrieben und viele stilistische Mittel verwendet wurden.

 

Themen und Techniken, die mir Spaß gemacht haben

Was mir persönlich viel Freude bereitet hat, war der Vergleich zwischen dem Drama und dem Film sowie das Erlernen von domänenspezifischem Wissen. Ich finde es immer interessant, etwas über die Gesellschaft, die Denkweise und politischen Zustände in verschiedenen Zeitaltern zu wissen. Es macht es einfacher, die Texte aus dem Unterricht einzuordnen, sie nachzuvollziehen und sich zudem in die damalige Zeit und Denkweise hineinzuversetzen. Außerdem macht es Spaß, neue Dinge zu lernen und immer wieder mit Informationen überrascht zu werden, die man nicht kannte. Der Vergleich hat gezeigt, wie sehr die Themen zur Zeit der Aufklärung sich ähnelten. Auch wenn das Drama und der Film nicht dieselbe Geschichte hatten, konnte man trotzdem Parallelen erkennen. Zudem wurden dieselben Aspekte, wie zum Beispiel die gesellschaftlichen Konventionen, kritisiert und es  gab Punkte, an denen sich Text und Film überschnitten oder berührten und das war interessant  herauszuarbeiten.

 

Ophelia Su Vurgun (Schülerin im zweiten Kurssemester), 29. Mai 2018

Der Text wurde redaktionell geprüft und zur besseren Verständlichkeit bearbeitet.

[1] Vgl. URL: https://www.berlin.de/sen/bildung/unterricht/faecher-rahmenlehrplaene/rahmenlehrplaene/ (Stand der Abfrage 28.05.18)