Konkrete Poesie erleben – ein Workshop auf dem Poesiefestival Berlin 2018

Buchstaben werden zu Worten und Worte zu Gedichten.

Heute habe ich mit meiner Kollegin im Rahmen des Poesiefestivals 2018 an einem Workshop der Akademie der Künste mit dem Titel Perfekt versteckt! Konkrete Poesie aus Zeitschriften und Büchern unter der Leitung von Karla Montasser und Sylvia Krupicka teilgenommen.

In den freien, gut klimatisierten Räumen der AdK fanden wir uns sofort in kreativer Atmosphäre ein. Sehr professionell leiteten die Autorinnen unsere wilde Truppe von 8-Klässlern zum Thema des Workshops. Wir begannen, in Gruppen das umstrittene Gomringer-Gedicht  „Avenidas“ zu legen, ohne dieses zu kennen. Dabei erkannten die Kids, was es heißt, lautlich oder inhaltlich sinnvolle Wort- und Versabfolgen zu kreieren, aus wenigen und ähnlichen Worten Bedeutsames zu gestalten. Sie diskutierten in Gruppen über Sinn und Unsinn von Abfolgen und beschwerten sich regelmäßig über den Mangel an Reimen im Gedicht, lernten aber auch ihr erstes freies Gedicht lieben und übersetzten dieses später in verschiedenen Sprachen.UNADJUSTEDNONRAW_thumb_17a3

Sie fanden heraus, dass die Betonung bei der anschließenden Präsentation des Ergebnisses eine wichtige Rolle spielt und die Gedichtaussage dadurch getragen wird. Inhalt, Form und Sprache von Gedichten wurden in diesem Intro-Puzzel wunderbar verknüpft, zur Sprache gebracht und bereiteten den Weg für den zweiten großen Workshop-Teil – das Erstellen von Erasures.

Für meine Kollegin und mich war das Neuland und wir waren ganz gespannt auf die neue Technik, um Gedichte kreativ zu gestalten. Sehr hilfreich war dafür die Power Point-Präsentation von Sylvia, welche den Schülern die Vorgehensweise beim Erstellen von Erasures und die Variationsmöglichkeiten anhand von Beispielen aufzeigte.

Voller Tatendrang gingen wir mithilfe zahlreicher Ausgangsmaterialien wie Büchern, Zeitschriften und Stiften ans Werk, natürlich auch wir Lehrerinnen.

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Es dauerte nicht lange und bald waren wir im Flow. Einige Schüler bekamen wir gar nicht mehr weg von ihren Arbeiten, andere probierten gleich mehrere Formen des „Löschens“ aus. Beim Erasure handelt es sich um eine kreative Technik des Erstellens von Gedichten, von konkreter Poesie. Dazu werden Textteile in Bücher, Zeitschriften o. Ä. gelöscht – also übermalt/getippext/getapet – oder markiert, Wortmaterial zu Gedichten verknüpft und das teils ergänzt durch das Malen von Bildern im Text, die sich auf den Text beziehen oder ihn ergänzen.

Die folgenden Beispiele zeigen, wie kreativ die Schüler und Schülerinnen mit der Aufgabenstellung umgegangen sind:

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In Zukunft werden wir wohl Zeitungen, Zeitschriften sowie Bücher nicht mehr wegwerfen, sondern sie als Grundlage für neue Kunstwerke nutzen.

Unser Resümee fällt sehr positiv aus. Die Kids haben an einem Tag viel gelernt: was Lyrik ist und sein kann, dass jeder kreativ ist, dass Poesie mehr als Reimen ist und alles darf – auch die Grammatik außer Gefecht setzen, Gegensätzliches zu Neuem verbinden, episch – lautlich und visuell sein.

Wir danken Karla und Sylvia dafür!

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