Digitaler Stress 4.0 – im Schneckentempo durch die digitale Revolution in der Schule

Situation 1:

Es klingelt zur Stunde und ich freue mich, für das Thema >Kiezdeutsch< einen Einstieg zu haben und lege die Folie mit den Zeitungscovern auf den OHP. Schließlich hatte ich 5 Minuten zuvor getestet, dass der Projektor geht. Ich beginne also die Stunde in entspannter Freudigkeit darüber, diesmal nicht einen funktionierenden Projektor in anderen Räumen suchen zu müssen. Ich drücke also den Lichtknopf und … die Lampe des OHPs funktioniert nicht. Grrr…. Ich denke mir „Was für ne scheiß Schule!“ und teste wie gewohnt die andere Steckdose. Und siehe da: Es werde Licht und ich kann nun endlich – etwas gereizt – mit dem Unterricht fortfahren.

Situation 2:

Wieder einmal hat es zur Stunde geklingelt und ich freue mich, nun nach abgeschlossener Klausur mit meinem PW-Kurs das Kurzfilm-Projekt zu starten. Dazu soll es einen Appetizer geben, den Poesiefilm, welchen Schüler der 8. Klasse in meinem Unterricht gefertigt haben. Ich denke mir: „Super, dass ich ein Smart Bord habe. Diesmal dürfte auch die Verbindung zwischen PC und Smart Bord in Ordnung sein.“ Schließlich hatte ich mich um das Problem der letzten Woche gekümmert.

Ich stelle also den PC an, um diesen hochzufahren, frage mich aber gleichzeitig, warum ich das überhaupt tun muss. Schließlich werden die Rechner an unserer Schule zentral hochgefahren. Hmmm. Ich bleibe ruhig und warte … vergebens. Ein weiteres Drücken auf den Startschalter von PC und Smart Bord blieb ohne Erfolg. Ich registrierte also: Die Leitung ist tod! Ich merke, wie ich innerlich rasend werde. Schließlich hat der Unterricht schon begonnen und die Schüler warten. Ich rufe also den Hausmeister an, warte das schier endlose Tuten ab und habe nun endlich Klaus, unseren Schulhausmeister, an der Strippe, der glücklicherweise sofort helfen wird. Wenige Minuten später trifft er im Raum ein, notiert sich etwas und geht dann zu dem Sicherungskasten im Flur, um mir endlich Strom zu liefern. Er ist wieder da, der Strom! Voller Vorfreude habe ich also alle Geräte gestartet und nun beginnt das digitale Meditieren, wie ich es nenne: Langsam fahren die Geräte hoch und alle starren wie paralysiert auf den Bildschirm, bis nun endlich der Film gezeigt werden kann.

Cortisol durchströmt meinen Körper. Ich hatte diese Stunde so strukturiert vorbereitet und nun ist sie im Chaos versunken. Wäre mir das in einer 7. Klasse passiert, hätte ich die Stunde komplett vergessen können. Deshalb bereite ich für diese Klassenstufen so etwas erst gar nicht mehr vor …

 

 

 

 

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