Plädoyer für ein besseres Schreibtraining im Deutschunterricht

In den Ferien hatte ich das Vergnügen, 42 mit PC geschriebene Portfolios, sog. Sammelmappen zu einem Thema, zu lesen. Während Lesen für mich als Deutschlehrerin zu den Vergnügungen des Alltags gehört, waren die Korrekturen zur Hälfte Tortur. Ich habe nicht verstanden, warum Schüler(innen) bei einer vierwöchigen Projektarbeit zum Abschluss nicht Korrektur lesen oder zumindest das (zwar meist sehr oberflächliche, aber dennoch einige Fehler erkennende) Rechtschreibprogramm bemühen. workstation-336369_1920Es tut mir im Herzen weh, wenn die deutsche Schriftsprache so vor die Hunde geht. Deshalb nahm ich mir fest vor, die Schüler(innen) zu fragen.

Das tat ich dann auch. Ich fragte ganz provokant: „Warum können viele von euch nicht richtig schreiben? Was macht ihr/Schule falsch?“

Die Aussprache in diesem Oberstufenkurs (1. Semester) war sehr erhellend. Neben „ich hab zu spät mit dem Portfolio angefangen und hatte keine Zeit mehr“ oder „ich habe das Portfolio von einer Freundin lesen lassen“ gab es Antworten wie folgende, die Lehrer(innen) unbedingt ernst nehmen sollten:

“Wir haben im Unterricht zu wenig Übungsmöglichkeiten. Man müsste auch mal einen Aufsatz zur Korrektur abgeben können, sonst weiß man ja nicht, woran man arbeiten kann. Meine Lehrerin hat das immer verweigert.“

“In der Mittelstufe war das eher Spielerei. Die Auswertung von Aufsätzen haben wir immer mündlich oder in der Gruppe gemacht. Das bringt nichts.“

„Es würde auch helfen, wenn man mehr liest.“

Es wurde schnell klar, dass es wenig Übungsraum und auch Korrekturbereitschaft seitens der Lehrkräfte gibt, was mir angesichts der Klassengrößen auch verständlich ist. Ich selbst nehme auch nur Aufsätze von Schülern mit nach Hause, welche die dringendste Hilfe benötigen.

Es braucht praktikable Unterrichtskonzepte, die mehr Raum zum Üben und Arbeiten mit Formulierungshilfen ermöglichen, Strukturierungshilfen geben sowie vorbereitete Schreibkonferenzen mit anschließender Textüberarbeitung beinhalten. Schließlich ist Deutschunterricht vor allem Textarbeit, also Arbeit mit dem Text, ob er nun gelesen, verstanden oder über ihn bzw. er selbst geschrieben wird.

Sowohl meine Hefte zur schriftlichen Interpretation literarischer Texte beim Verlag an der Ruhr als auch meine Raabits-Reihe zur Lyrik der Romantik (siehe auch Material und Links) sind in der beschriebenen Form aufgebaut und bisher hatte ich damit Erfolg; die Schüler(innen) gaben dazu ein ebenfalls positives Feedback nach Abschluss der Unterrichtsreihe. Schreibübungen und Beispielaufsätze vom Lehrer(innen) zeigen, wie es geht und worauf es ankommt. Vormachen, Nachmachen und Üben sind im zeitlich engen Schulkorsett immernoch die wirkungsvollsten Lernschritte.

 

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