Sprachbildung & Sprachförderung in Klasse 5 bis 7

In der täglichen Arbeit als Deutschlehrerin begegnen mir immer wieder folgende Sprachphänomene:

  • das Parlingisch (Schreiben wie Sprechen)
  • der SMS-Whattsapp-Stil
  • ungrammatische Sätze
  • Endlossätze ohne Zeichensetzung/mit wenig Zeichen
  • Probleme mit der Groß- und Kleinschreibung (z. B. werden Satzanfänge klein geschrieben)

Zum einen betrifft es vor allem Kinder mit nichtdeutschen Sprachwurzeln, aber auch Muttersprachler. Ich beobachte besonders in Klasse 7, dass die Schüler(innen) mit Sprachdefiziten, vor allem im schriftlichen Sprachgebrauch, an die Oberschule kommen.

Aus diesem Grund hat unsere Schule eine Lizenz für die Online-Diagnose erworben, die ich nur empfehlen kann. Die Schüler(innen) absolvieren dort in ca. 2 Zeitstunden einen Test in allen Kompetenzbereichen und erhalten anschließend einen Elternbrief mit einer individuellen Testauswertung. Der Lehrer muss nicht selbst auswerten und auch keine Elternbriefe verfassen, sondern nur verwalten und ausdrucken, was sehr schnell und einfach geht. Das Beste folgt: die individuell auf das Kind zugeschnittenen Fördermaterialien. Die Kinder können sich diese kostenlos über ihren Log-in herunterladen oder kostenpflichtig bestellen. Der Lehrer entscheidet über die Freigabe der Materialien und Lösungen.

Damit kann gezielt eine Zusammenarbeit mit Eltern erfolgen, die oft Nachhilfe akquirieren und sich Unterstützung wünschen. Die Nachhilfelehrkraft könnte zum Beispiel mit den Kindern die Fördermaterialien be- und aufarbeiten.

Ich halte es für sehr wichtig, die Sprachdefizite so früh wie möglich abzubauen, da es erfahrungsgemäß in höheren Klassen schwieriger wird. Gleichsam ist die Sprache Grundlage dafür, sich in allen Unterrichtsfächern zu verständigen sowie erfolgreich im Leben zu kommunizieren. Und nur wenn das gelingt, kann der Schüler/die Schülerin auch sein Wissen und seine Stärken zeigen, sich also verständlich machen.

Weitere Tipps für die Eltern könnten sein, …:

  • dass das Kind mit einem Muttersprachler viel gutes Deutsch in vollständigen Sätzen spricht
  • dass das Kind viel liest und dabei neue Wörter verinnerlicht/notiert
  • dass das Kind viel schreibt und dies von einer qualifizierten Person (das kann die Nachhilfelehrerin z. B. sein) korrigieren lässt.

school-1661731_1920Ein Vater eines Jungen der 7. Klasse bat mich, Buchempfehlungen für das Lesen abzugeben. Ich empfahl ihm die Bücher von Michael Ende oder Cornelia Funke (meine persönlichen Favoriten) bzw. in die Buchhandlung zu gehen mit dem Kind ein Buch nach eigenem Interesse auszuwählen. Schließlich las der Junge „Jim Knopf“ sehr schnell und fand das Buch super, sodass er schnell ein neues orderte. Im Unterricht verbesserte sich der Junge sehr – und das innerhalb von ein bis zwei Monaten. Sein Vater hatte dafür gesorgt, dass er mit der Nachhilfe regelmäßig die Fördermaterialien bearbeitete und las. Im Deutschunterricht ist er jetzt hoch motiviert und kann gute Beiträge liefern. Ich habe den Eindruck, dass er Freude an der deutschen Sprache gewonnen hat. Das freut mich umso mehr.

Eine Erfolgsgeschichte, die zur Nachahmung aufruft.:-)

 

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